Probenäher, undankbarer Job?

Wolltest du schonmal Stoff probenähen?

Heute schreibe ich mal über das Thema "PROBENÄHEN".

Zur Begriffserklärung: Probenäher sind Die, die einen Stoff oder ein Schnittmuster probenähen dürfen, meist schon bevor man Diese offiziell zu kaufen bekommt. Es finden immer wieder Aufrufe von z.B. Stoffshops in den sozialen Netzwerken statt, in dem ein kostenloser Stoff angeboten wird, die wir als Hobbynäher probenähen könnten. Das hört sich ja eigentlich ganz toll an, jeder der ein wenig Ahnung in der Stoffszene hat, weiß, guter Stoff ist teuer. Ja.....  ich meine Stoff, wie: Baumwolle, Jersey und all die anderen Stoffsarten. 


Und nicht nur der Stoff ist teuer, auch alles, was noch dazu gehört. Ein Schnittmuster kostet Geld, wenn es nicht gerade ein Freebook ist, der Garn und auch die Spitze und die Kordel. Da klingt ein kostenloses Stoffpaket doch richtig verlockend. Oder? 

 

Als Probenäher bekommt man den Stoff kostenlos zugeschickt und muss Diesen in einem gewissen Zeitrahmen auch vernähen. Was genau genäht wird, entscheiden in der Regel die fleißigen Probenäher selbst. Aber das ist ja noch nicht alles, was ein Probenäher machen muss, im Anschluss des fertigen Projektes müssen natürlich mehrere gut belichtete Fotos geschossen werden. Danach darf man die Bilder den spendablem Stofflieferanten zukommen lassen. Und man bewirbt sein Werk in seinen eigenen sozialen Netzwerken, natürlich mit Verlinkung zum Shop. Vielleicht ist auch noch ein Blog-Beitrag gewünscht, der natürlich auch noch geschrieben werden soll. 

 

Was mich interessieren würde, warum gibt es so viele fleißige Nähbienen, die da mitmachen und auch noch drum betteln? 

 

Der Wert des Stoffes beträgt vielleicht 20€, für 20€ habe ich einen Aufwand von etwa 6-7 Stunden und auch nur dann, wenn alles reibungslos funktioniert! Das sind im Schnitt 3€ pro Arbeitsstunde!! Das Wort: Mindestlohn brauche ich wohl kaum in den Mund zu nehmen.

 

Also mein Problem ist es erstmal: Ich muss in einer meist, kurzen Zeit ein Kleidungsstück nähen und wehe es klappt mal nicht oder die Nähmaschine streikt. Wenn alles reibungslos funktioniert, müssen ja auch schöne Tragefotos gemacht werden. Und was ist, wenn das Wetter nicht so gut ist? Meine Tochter das Kleid furchtbar findet und es gar nicht tragen möchte? Auch die Zeit, die in einen Beitrag auf Instagram oder Facebook im Anschluss investiert werden muss, das ist nicht mal eben schnell gemacht... und der Blogbeitrag wartet ja auch noch. Nun nochmal die Frage, warum wollen das so viele machen?

 

Also, nicht falsch verstehen, ich habe selbst schon Stoffe probegenäht und habe, weil ich es besonders machen wollte, viel Zeit investiert. Meine Erwartungen waren groß, denn durch meine Bilder erhoffte ich mir eine größere Reichweite. Gegen meiner Erwartungen war nur ein Bruchteil interessiert an Mir und meiner Arbeit, denn in erster Linie, wollten alle nur den Stoff kaufen.

 

Und überlegt mal, was sich ein Unternehmen sonst so Werbung kosten lässt. Denn eigentlich müsste der Stoffshop selbst ein Kleidungsstück nähen/nähen lassen und sich ein Kamerateam holen mit Darsteller und Equipment! Was das kosten würde!? Es ist ja immerhin WERBUNG und die fleißigen Nähbienen machen das auch noch kostenlos.

 

Der Gewinner ist der "großzügige" Stoffshop, der ein paar Meter, von seinem Stoff verschenkt, um sich mehrere Tausend Euros einspart, weil er durch Dich und auch mich, kostenlos Werbung bekommt. 

 

Bitte schreibt mir mal eure Meinung dazu in die Kommentare, ich würde mich freuen.

 

Eure Marie

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Kommentare: 2
  • #1

    Usi (Donnerstag, 24 August 2017 11:11)

    Bei dieser Art von Probenähen kriegt man wenigstens noch den Stoff. Ich habe letztens in meiner Lieblingsnähgruppe einen Aufruf gesehen, da ging es darum Schnittmuster zu testen. Allein der Bedingungskatalog hat mich umgehauen. Dafür, dass man ein ungetestes(!) Schnittmuster kostenlos bekommt, wurden Forderungen gestellt, die ich teilweise unverschämt fand. Klar verstehe ich, dass man gern viele schöne Bilder hätte, denn damit verkauft sich das fertige Schnittmuster viel besser. Aber dafür bedingungslose und kostenlose Zuarbeit zu verlangen, fand ich unverschämt. Ich finde es krass, dass dabei trotzdem so viele Leute mitmachen wollen. Wenn ich wirklich scharf auf das Schnittmuster bin, warte ich doch lieber auf das fertige und hoffentlich unverbuggte Endergebnis. Von der Community zu verlangen, dass sie sich selbst ausbeutet und sie dabei auch noch glücklich ist, finde ich merkwürdig.

  • #2

    Angelina (Donnerstag, 24 August 2017 20:51)

    So wie du es beschreibst, habe ich es ehrlicher Weise noch nie betrachtet /runtergerechnet. Sondern eher habe ich immer den meist so tollen Stoff im.Vordergrund gesehen , und diesen ganz exklusiv vorab vernähen zu dürfen. Gut, ich war noch nie so weit, dass ich tatsächlich mal nähen durfte � aber ich habe mich vorhin erst wieder beworben. Grundsätzlich hast du aber recht. Wir machen das alles kostenlos und legen im Endeffekt sogar drauf. Vielleicht sollten die Stoff-Shops für die Bilder, die sie verwenden, den Eigentümern ein zusätzliches "Goody" zuschicken, so als Dankeschön.